Erzdiözese München und Freising
Fachbereich Weltanschauungsfragen
Informationen zu religiösen und weltanschaulichen Strömungen

Hilfswerke - Hilfsorganisationen

Leitfaden Hilfswerke

1. Transparenz - Was wissen Sie von der Spendenorganisation?

  • Handelt es sich z.B. um einen örtlichen Anbieter oder haben Sie noch nie etwas von dieser Organisation gehört?
  • Gibt es eigene Werbematerialien (auf einer Homepage oder gedruckt)? Auch Berichte in der Presse oder im Internet helfen dabei, sich einen ersten Eindruck zu verschaffen.
  • Legt die Organisation ihre Rechenschaftsberichte offen und sind diese nachvollziehbar?
  • Wer ist im Vorstand der Organisation? Gibt es z.B. einen bekannten Schirmherr/eine bekannte Schirmherrin?
  • In welches Netzwerk ist die Aktion eingebunden? Handelt es sich um ein nationales oder internationales Organisation? Wer steckt eigentlich hinter der Hilfsaktion? (Ein Blick in die Vereinssatzung kann manchmal sehr aufschlussreich sein).

 

2. Sach- oder Geldspenden?

  • Bedenken Sie bei Sachspenden: im Gegensatz zu Geldspenden verursachen diese einen erheblich größeren Verwaltungsaufwand! Die Organisation muss nicht nur auf einen ordnungsgemäßen Transport achten, sondern auch auf die jeweiligen Einfuhr- und Ausfuhrbestimmungen der beteiligten Staaten.
  • Ökonomischer Aspekt: Die Organisation muss den logistischen Aufwand für Sachspenden finanziell bewerkstelligen. Dafür muss eventuell ein Teil der Spenden verwendet werden. Geld, das vielleicht sinnvoller verwendet werden kann?
  • Ökologischer Aspekt: Wie weit werden die Sachspenden transportiert? Ist dieser Transport aus ökologischer Sicht noch sinnvoll?

 

3. Patenschaften

  • Auch für die beliebten Patenschaften gilt: der Verwaltungsaufwand für die Organisation ist immens und muss finanziert werden! Es gilt also zu bedenken, wie viel Geld der Spende auch tatsächlich beim Patenkind ankommt.
  • Sozialer Aspekt: die Austeilungspraxis der Organisation kann problematisch sein. Gerade wenn nur einzelne Kinder innerhalb einer Dorfgemeinschaft unterstützt werden können, sind womöglich Neid und Missgunst die Folge und beeinträchtigen das soziale Klima.

 

4. Hilfe zur Selbsthilfe – wo kommen die Spenden letztlich an?

  • Spenden sind immer gut gemeint und können doch nachteilig wirken, wenn durch unser Schenken die Entwicklung der Menschen zur Selbstständigkeit behindert wird. Wenn zudem Sachspenden aus reicheren Ländern in Konkurrenz zur heimischen Wirtschaft treten, fördern unsere Spenden eher Abhängigkeit. Achtet die Organisation auf diese Gefahr und nimmt sie dazu Stellung?
  • Eine nachhaltige Entwicklungshilfe sorgt dafür, dass auch die heimische Wirtschaft durch die Spenden unterstützt und gefördert wird. Damit können sich die Produktionsbedingungen verbessern und auch langfristig positive Effekte in der Region erreicht werden. Welches Konzept verfolgt die Organisation mit ihrer Hilfstätigkeit?
  • Einige Organisationen haben sich ganz klar die Bewusstseinsbildung zum Ziel gesetzt. Ihre Spende wird daher zum größten Teil nicht für konkrete Hilfsmaßnahmen eingesetzt sondern für hiesige Werbung und Aktionen.

 

5. Andere Länder, andere Sitten

  •  Kinder in anderen Ländern leben in anderen kulturellen und sozialen Situationen und sie spielen folglich auch anders. Das bedeutet, dass heimische Spielsachen die beschenkten Kinder vielleicht gar nicht glücklich machen, weil sie nicht für sie geeignet sind. Wir sollten also nicht nur wohlmeinend von unserem Reichtum abgeben, sondern auch die Spielweisen der Kinder dort respektieren und unterstützen.
  • Wenn schon Päckchen verschickt werden: Gibt die Organisation eine Hilfestellung bei der Auswahl der Spenden? Gibt es beispielsweise eine Packliste mit (kulturell) sinnvollen Artikeln?

 

6. Gemeinnützigkeit – Besitzt die Organisation ein Spendensiegel?

  • Ein anerkanntes Spendensiegel (z.B. vom DZI) kostet der Organisation zwar Geld, leider ist es aber oft der einzige Weg um objektiv Qualität nachweisen zu können. Mit diesem Siegel ist zumindest eine neutrale und externe Prüfung der Organisation gewährleistet. Es wird nur an Organisationen vergeben, die Spenden wirtschaftlich verwalten, wobei es auch hier deutliche Unterschiede gibt, wie hoch der Verwaltungsaufwand ist, d.h. wie viel Geld tatsächlich von
    der Spende bei den Bedürftigen ankommt und wie viel Geld z.B. für Gehälter, Büroräume oder Werbung ankommt.

 

7. Mission – Was möchte ich mit meiner Spende bewirken?

  • Hilfsaktionen sollen zu allererst die Lebensbedingungen von bedürftigen Menschen nachhaltig verbessern und ihnen dadurch auch Freude bereiten. Manche Spendenaktionen verstehen sich zwar nicht als Hilfsaktionen, können aber mit Hilfsaktionen verwechselt werden. Andere Aktionen verfolgen nicht ausschließlich das Ziel zu helfen, sondern nutzen die humanitäre Hilfe um ihre Glaubensüberzeugungen oder Geschäftsideen zu verbreiten. Nicht immer ist dies offensichtlich. Wissen Sie, welche Philosophie oder Weltanschauung für die Organisation maßgeblich ist? Welche Ziele werden tatsächlich verfolgt? Entspricht das Ihren eigenen Einstellung und Vorstellungen?
  • Besonders missionarische Tätigkeiten können problematisch sein, wenn sie expansiv und ohne Berücksichtigung der jeweiligen Kultur und Sozialstruktur betrieben werden (kritische Stichworte: Exklusivismus („Wir können und wissen alles besser“), Fundamentalismus („Wir haben das Heil und die Anderen müssen gerettet werden“) oder Dualismus („Was gut und was schlecht ist, kann man immer eindeutig unterscheiden“).
  • „Mission“ ist nur seriös, wenn sie transparent geschieht, die Notlage der Menschen nicht einseitig ausnutzt und immer die freie Entscheidung des Menschen nicht nur respektiert sondern auch fördert. Ein seriöser missionarischer Ansatz versteht sich dialogisch und ist zuallererst lernend!

 

8. Langfristige und nachhaltige Hilfe statt Almosen

  • Eine Freude, gerade zur Weihnachtszeit, hilft Armut oder Bedürftigkeit leichter zu ertragen. Unser Anspruch ist aber, Lebensbedingungen langfristig zu verbessern! Einzelne Pakete und kurzfristige Aktionen können dies nicht bewirken. Damit Ihre Hilfe nicht nur ein Strohfeuer bleibt, sondern langfristig und kompetent begleitet geschieht, wählen Sie Organisationen, die transparent, partnerschaftlich und die politischen, religiösen wie sozio-kulturellen Bedingungen der Menschen vor Ort respektieren.
    Das sind wir den Empfängern schuldig!

 

9. Weitere Informationen


Axel Seegers, Christina Hanauer
Fachbereich Weltanschauungsfragen
Erzbischöfliches Ordinariat München
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