Erzdiözese München und Freising
Fachbereich Weltanschauungsfragen
Informationen zu religiösen und weltanschaulichen Strömungen

Zum Begriff  "S E K T E"

„Die unterschiedliche Herkunft und der unterschiedliche Gebrauch des Begriffs Sekte macht seine Verwendung, außer in klar umschriebenen Zusammenhängen (etwa theologisch oder religionswissenschaftlicher Art), sehr problematisch.
Zur Abgrenzung von „konfliktträchtigen“ gegenüber „nicht konfliktträchtigen“ Gruppen ist er kaum geeignet. Er gibt zudem nichts her zur Kennzeichnung konkreter Konflikte.“

Enquete – Kommission des Dt. Bundestages 1998. Endbericht.

 

Der Begriff „Sekte“ kommt aus dem Lateinischen („secta“) und bedeutet so viel wie Schule, Lehre oder Partei. Es ist das Substantiv, das sich vom lateinischen Verb sequi „nachfolgen“ ableitet. Die häufig verwendete Ableitung von lateinisch "secare" (trennen, abschneiden) ist etymologisch nicht korrekt, hat aber die umgangssprachliche Verwendung des Wortes Sekte stark geprägt.

Umgangssprachlich verstehen die meisten Bürgerinnen und Bürger unter „Sekte“ eine Gruppe, die „gefährlich“ ist (was immer das dann auch bedeuten mag), die Menschen mittels „Gehirnwäsche“ in ihren Bann zieht, ohne, dass „das ahnungslose Opfer“ etwas davon merkt.
Daher sind sich alle darin einig, „gegen Sekten“ zu sein. Nicht selten findet man auch in Selbstdarstellungen einzelner Gruppen den Hinweis, sie seien „keine Sekte“.

Demgegenüber sei unter anderem festzustellen, dass

  • es verschiedenste Definitionen des Sektenbegriffs gibt (z.B. einen theologischen, soziologischen Sektenbegriff oder ein historisches Verständnis von „Sekte“).
  • das Phänomen „Sekte“ kein spezifisch christliches Phänomen ist: auch in anderen Religionen und Weltanschauungen finden sich Aufspaltungen und Neugründungen
  • man mit Prozessen der Versektung aber auch der Entsektung rechnen muss. Jede statische Vorstellung (nach dem Motto „Einmal Sekte – immer Sekte“) ist also der Realität nicht angemessen.

 

Aufgrund der Vielschichtigkeit des Begriffes und wegen der oft plakativen Verurteilung, die mit der unkritischen Benutzung des „Sektenbegriffs“ einhergeht, verzichten wir weitgehend auf die Verwendung des Begriffes (gemäß der Empfehlung der Enquete-Kommission).

Wir sind stattdessen darum bemüht, von vornherein zu differenzieren und die mannigfaltigen Problem, von denen Anfragende und Ratsuchende zu berichten wissen, ganzheitlicher zu erfassen.

Zur Verdeutlichung: Wir benutzen in der Regel den Begriff „Sekten“ nicht, sind uns aber durchaus darüber im Klaren, dass es Gruppen und Ideologien gibt, die für ihre Mitglieder bzw. Anhänger zerstörerische Impulse implizieren. Unsere Aufgabe ist es daher, Ratsuchenden bestmöglich zu helfen, psychologische und strategische Zusammenhänge zu erläutern und vor konfliktträchtigen Gruppen zu warnen. Dies soll jedoch in einer Weise geschehen, die das kritisiert, was kritikwürdig ist, ohne das zu verleugnen, was als unproblematisch gelten darf. Wer es jedoch ernst meint mit der Konkretisierung und Differenzierung, muss zwangsläufig auf den Stempel „Sekte“ verzichten. Ob man deshalb dann „zahnlos“ gelten muss oder vielmehr als glaubwürdiger gelten darf, ist wohl nur durch die geleistete Arbeit zu belegen.

 

Das Spektrum: Die Grafik zeigt einige Strömungen, aus deren Bereich wir Anfragen erhalten. Schon diese Vielfalt macht deutlich, dass eine Einteilung in "Sekten" und "Nicht-Sekten" hier wenig hilfreich ist. Zudem gibt es innerhalb jeder Strömung unterschiedlichste Gruppierungen und Angebote, die völlig gegensätzliche Bedürfnisse ansprechen können - vom "Fundamentalismus" bis zur "Beliebigkeit".

Weltanschauungskreis

 

Axel Seegers
Christina Hanauer