Erzdiözese München und Freising
Fachbereich Weltanschauungsfragen
Informationen zu religiösen und weltanschaulichen Strömungen

Freiwilligendienste

Freiwilligendienste Adressen und Links

3. Glossar und weitere Informationen, Adressen und Links

3.1. Glossar

Aufnahmeland   Das Land, in dem junge Menschen ihren Auslandsdienst durchführen.
Aufnahmeorganisation (alt. Partnerorganisation)   Die Organisation, bei der oder über welche junge Menschen ihren Auslandsdienst leisten.
Bekenntnis   Wenn sich unterschiedliche weltanschauliche Bekenntnisse begegnen, kann es leicht zu Irritationen oder Missverständnissen kommen. Dies umso mehr, je stärker die Entsendeorganisation von einem klaren religiösen, weltanschaulichen oder politischen Hintergrund geprägt ist.

Man sollte sich dann zuvor gut überlegen, ob man mit einer eindeutig weltanschaulich positionierten Organisation in einem fremden Land mit einer anderen Kultur und einer anderen Religion ein ganzes Jahr leben möchte.

s. weitere Stichworte: Mission, Vorbereitung
Einsatzstelle   Die konkrete Einrichtung, in der junge Menschen ihren Auslandsdienst absolvieren.
Entsendeorganisation   Organisation im Heimatland, mit der junge Menschen ihren Auslandsdienst durchführen (z. B. Kirchen, Orden, Wohlfahrtsverbände, Vereine, Reiseveranstalter)
KJHG   „Jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Sie sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und sozialem Engagement anregen und hinführen.“ (KJHG, Sozialgesetzbuch (SGB) Achtes Buch (VIII) - Kinder und Jugendhilfe, § 11 (1), Stand: 24.09.2014)Link: http://www.gesetze-im-internet.de
Motivation   Man sollte sich nicht nur über seine eigene Motivation im Klaren werden, sondern auch nach den Zielen und Beweggründen von Entsendeorganisation oder Partnerorganisation fragen:Positive Entsendemotivation kann sein:
Bildungsangebot für junge Menschen, um diese in ihrer Entwicklung zu fördern. Sozialpraktikanten und Freiwillige sind wichtig für die Menschen, mit denen sie arbeiten. Aber sie werden kaum das Leben für die Menschen vor Ort nachhaltig verändern können. Wer mit dieser Erwartung antritt, wird möglicherweise durch Realitäten enttäuscht werden. Organisationen, die anderes vermitteln, werden möglicherweise Freiwillige und Praktikanten überfordern und frustrieren.Positive Aufnahmemotivation der Partnerorganisationen:
Jungen Menschen soll ein Bildungsangebot/ein Lerndienst ermöglicht werden, dessen Qualität im Austausch und in der Bewusstseinsbildung auf beiden Seiten liegt. Es geht also nicht so sehr darum, was die Freiwilligen vor Ort tun oder dass es einen materiellen Ausgleich gibt!
Spendensiegel   Wenn eine Organisation kein Spendensiegel besitzt, sollte man recherchieren, warum auf eine anerkannte neutrale Zertifizierung und auf ein externes Controlling verzichtet wird (gerade kleinere Organisationen scheuen die Kosten).Hilfreiche Informationen findet man beim Deutschen Zentralinstitut für Soziale Fragen (dzi): http://www.dzi.de.
Mission   Mission, also andere an seinen eigenen religiösen Überzeugungen teilhaben zu lassen, andere sogar für den eigenen Glauben gewinnen zu wollen, gehört zum Selbstverständnis vieler Religionen. Aber Missionsverständnisse können sich deutlich unterscheiden!Man kann aus sozial-caritativer Motivation heraus einen Freiwilligendienst leisten, zum eigenen Glauben stehen und auch den Glauben der anderen wertschätzend anerkennen. Oder man kann das Heil alleine und ausschließlich in der eigenen Religion sehen und – ohne Rücksicht auf Verluste – offensiv versuchen, andere dafür zu gewinnen und zu bekehren.Leider wurde in den letzten Jahren mehrfach deutlich, wie durch gezieltes missionarisches Handeln in Ländern, in denen eine christliche Missionstätigkeit verboten ist, junge Missionare und Missionarinnen, wie auch andere Mitglieder christlicher Hilfsorganisationen, in Lebensgefahr gebracht wurden.Mission betrifft nicht nur religiöse Überzeugungen, auch politische oder kulturelle Meinungen werden nicht selten absolut gesetzt und führen zu einer modernen Form des Kolonialismus.Merke: Mission heute ist dialogisch angelegt und somit bereit, Neues zu lernen.
Organisation   Entsendeorganisationen können gemeinnützig oder kommerziell strukturiert sein. Insbesondere bei kommerziell geführten Organisationen ist zu klären, ob diese Organisation Veranstalter oder (nur) Vermittler ist. Zu favorisieren ist eine Organisation, die selbst Veranstalter ist und nach Deutschem Reiserecht (§ 651 a ff. BGB), inklusive der Absicherung des Reisepreises durch eine Insolvenzversicherung, arbeitet. Wenn die deutsche Organisation nur Vermittler für eine ausländische Organisation als Veranstalter ist, gelten deren Geschäfts-, Zahlungs- und Haftungsbedingungen sowie bei Beschwerden das Landesrecht des Gerichtsstands der ausländischen Organisation.
Praktikum, qualifiziertes   Ein Praktikum, das in Deutschland im Rahmen eines Studiums oder einer beruflichen Ausbildung anerkannt werden soll. Über die besonderen Bedingungen sollte man sich rechtzeitig informieren.
Reiseland   Aktuelle Informationen zum Reiseland und mögliche Reisewarnungen findet man auf der Website des Auswärtigen Amtes: http://www.auswaertiges-amt.de („Reise und Sicherheit“)Gerade in politisch instabilen Ländern ist es sinnvoll, die Kontaktdaten der jeweiligen Diplomatischen Vertretung am Ort oder in der Region griffbereit zu haben.
Sprachkenntnisse   In der Regel werden mindestens Kenntnisse der Mittelstufe erwartet (für Englisch oder Französisch). Einige Anbieter verlangen/bieten sogar einen Sprachtest zur Überprüfung der notwendigen Sprachkenntnisse; andere bieten, aufbauend auf Grundkenntnissen, einen 2-4-wöchigen Sprachkurs im Aufnahmeland)
Vorbereitung   Fachliche Träger bieten eine ausreichende Vorbereitungszeit an, die auch dem gegenseitigen Kennen lernen dient.Wichtig ist, dass man sich in der Vorbereitungszeit in Deutschland bei der Entsendeorganisation wohl fühlt. Rahmenbedingungen und Bauchgefühl müssen stimmen. Treten bereits in Deutschland Irritationen oder nicht geklärte Fragen auf, wird sich dies mit großer Wahrscheinlichkeit im Ausland nicht ändern, sondern sogar verstärken.Inhalte der Vorbereitung sollten u. a. sein: Informationen über das Land und seine Kultur, interkulturelles Lernen, Vorbereitung auf kulturelle Unterschiede und ihre persönliche Herausforderung, Möglichkeiten und Herausforderungen der konkreten Lebensgestaltung vor Ort, Vertiefung der Fremdsprachenkenntnisse, Informationen über Träger und Einsatzort, Arbeitsbereiche und Aufgabengebiete, Informationen zur konkreten Planung und Durchführung, Konfliktmanagement.Eine zu kurze Vorbereitungszeit kann zu Schwierigkeiten mit dem Träger (nicht ausreichendes Kennen lernen) und mit dem Leben im Gastland (zu wenige Ressourcen für den Umgang mit kulturellen Herausforderungen im Gastland) führen. Bei einer zu langen Vorbereitung kann es sinnvoll sein, zu überprüfen, ob die Inhalte und Tätigkeiten plausibel scheinen oder vor allem dem Interesse des Trägers dienen (z. B. Geldakquise für den Träger, Vorbereitung auf einen gefährlichen Missionseinsatz).Das staatlich geförderte Programm „Weltwärts“ sowie langjährige Träger von Internationalen Freiwilligendiensten setzen eine Vorbereitungszeit von etwa 12 Seminartagen und eine Nachbereitung von 5 Seminartagen an, sowie ein Zwischenseminar im Einsatzland. Dies kann als Richtwert im Vergleich mit anderen Trägern dienen. Dazu kommt die persönliche Vorbereitung der Interessentin bzw. des Interessenten, z. B. die Information und Auseinandersetzung mit dem Leben im Aufnahmeland sowie die Aneignung notwendiger Sprachkenntnisse.

 

3.2. Weitere Informationen, Adressen und Links

IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.
(früher: Internationaler Jugendaustausch- und Besucherdienst der Bundesrepublik Deutschland e.V.)
Homepage: http://www.ijab.de

Das dazugehörige Informationsportal zu Auslandsaufenthalten für junge Leute:
Homepage: http://www.rausvonzuhaus.de

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (http://www.bmz.de)
Spezielle Informationsseite zum entwicklungspolitischen Freiwilligenprogramm "Weltwärts"
Homepage: http://www.weltwaerts.de (s. hier Entsendeorganisationen)

Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft Freiwilligendienste
(der Zusammenschluss aller Anbieter von unterschiedlichen Freiwilligendiensten im In- und Ausland, die in katholischer Trägerschaft angeboten werden)
Homepage: http://www.kath-freiwilligendienste.de

FIYTO – Federation of International Youth Travel Organisations
Das Bundesforum Kinder- und Jugendreisen e.V.
(ist ein deutscher Dachverband für die Mobilität zu Lernzwecken von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Im Bundesforum zusammengeschlossen ist die Mehrheit der Anbieter für pädagogische Kinder- und Jugendreisen.)
Homepage: http://www.bundesforum.de

Arbeitskreis „Wege ins Ausland“
bestehend aus: Deutscher Akademischer Auslandsdienst DAAD, IJAB, eurodesk, Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Pädagogischer Austauschdienst (PAD) und Bundesagentur für Arbeit.
Homepage „Qualitäts-Check Auslandspraktikum“: http://www.wege-ins-ausland.org

abi – Aktion Bildungsinformation Stuttgart
Broschüren, Ratgeber und Merkblätter (z. T. gegen einen geringen Unkostenbeitrag) zu Sprachreisen, Schüleraustausch weltweit, Auslandspraktika und Freiwilligendienste im Ausland, Volunteering, Work and Travel und AuPair
Homepage: http://www.abi-ev.de

Internationaler Jugendfreiwilligendienst
Förderprogramm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Homepage: http://www.bmfsfj.de

Bundesministerium der Justiz und juris GmbH
Nahezu das gesamte aktuelle Bundesrecht steht hier kostenlos im Internet zur Verfügung
Homepage: http://www.gesetze-im-internet.de

Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen
Auftrag ist die Schaffung von Transparenz im deutschen Spendenwesen und damit das Vertrauen in Spendenorganisationen und den gesamten gemeinnützigen („Dritten“) Sektor zu fördern.
Qualitätscheck Internationale Freiwilligendienste
Träger des DZI sind: Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Senat von Berlin, der Deutsche Städtetag, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V.
Homepage: http://www.dzi.de

 

Informationen zu weltanschaulich oder religiös orientierten Anbietern:

(hier sind auch die Adressen (kirchlicher) Informations- und Beratungsstellen vor Ort zu erfragen, vgl. hier)

Erzbischöfliches Ordinariat München
Fachbereich Weltanschauungsfragen
Dachauer Str. 5, 80335 München
Tel. +49 89 5458130
Fax + 49 89 54581315
Web: www.weltanschauungsfragen.de
Email: info@weltanschauungsfragen.de

Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen
Auguststraße 80
10117 Berlin
Tel. +49 30 28395 211
Fax +49 30 28395 212
Web: www.ezw-berlin.de
Email: Info@ezw-berlin.de

 

Autoren

Marianne Brandl, Fachbereich Weltanschauungsfragen im Ordinariat Regensburg
Sr. Irene Weber (SAC), Verantwortliche im Programm Missionare/Missionarinnen auf Zeit Deutschland
Doris Bose, Fachbereich Internationaler Freiwilligendienst im Erzbischöflichen Ordinariat München
Axel Seegers, Fachbereich Weltanschauungsfragen im Erzbischöflichen Ordinariat München

Stand: Juli 2014